Aussenwirtschaftspolitik in einem schwierigen internationalen Umfeld
Bern, 11.01.2012 - Der Bundesrat hat am 11. Januar 2012 den Bericht zur Aussenwirtschaftspolitik 2011 verabschiedet. Das Schwerpunktkapitel zur Standortbestimmung der Aussenwirtschafts-strategie steht im Zeichen der Finanz-, Wirtschafts- und Schuldenkrise und zeigt, wo der Bundesrat in den kommenden Jahren die Akzente setzen will. Der Bundesrat legt besonderen Wert darauf, in diesem schwierigen internationalen Umfeld die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft zu verbessern. Dabei setzt er sich dafür ein, den Zugang zu ausländischen Märkten zu erleichtern. Aber auch innere Reformen und autonome Liberalisierungsmassnahmen sowie ein Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung in Partnerländern stehen im Fokus.
Mit dem Schwerpunktkapitel nimmt der Bundesrat eine Aktualisierung seiner Aussenwirtschafts-strategie von 2004 vor. Unter Beibehaltung ihrer grundlegenden Ausrichtung beabsichtigt er, in den kommenden Jahren die wirtschaftliche Stellung der Schweiz in der Welt zu stärken; dies durch Fokussierung auf die drei Dimensionen Marktzugang im Ausland und internationales Regelwerk, Binnenmarktpolitik der Schweiz sowie Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung in Partnerländern. Auch viele Entwicklungen im Berichtsjahr brachten Fortschritte in diesen Dimensionen.
Marktzugang im
Ausland und
internationales
Regelwerk
Der Bundesrat
beabsichtigt, den
Marktzugang und die
Wettbewerbsfähigkeit
in den Güter-,
Dienstleistungs- und
anderen
Faktormärkten zu
verbessern. Ein
starkes
internationales
Regelwerk für die
Aussenwirtschaft
setzt insbesondere
eine starke WTO und
ein multilaterales
Handelssystem
voraus, das
Synergien mit
anderen
internationalen
Organisationen (wie
die Internationale
Arbeitsorganisation
(IAO), multilaterale
Umweltabkommen, IWF,
Weltbank und OECD)
für eine nachhaltige
Weltwirtschaft
nutzen kann.
An der
WTO-Ministertagung
im Dezember konnten
die
Doha-Verhandlungen
nicht abgeschlossen
werden. Hingegen
wurde der Beitritt
Russlands
beschlossen. Einen
Beitrag zur
Eindämmung des
drohenden
Protektionismus
leistet das nach
Ausbruch der
Finanzkrise
eingeführte
Verfahren zur
Überwachung der von
den Mitgliedstaaten
ergriffenen
Handelsmassnahmen.
Die OECD feierte ihr
50-jähriges
Jubiläum. Mit
verschiedenen
Strategien in den
Bereichen
Innovation, grünes
Wachstum sowie Aus-
und Weiterbildung
will sie einen
Beitrag zum
weltweiten Wachstum
leisten. Dazu
intensivierte sie
die Zusammenarbeit
mit den wichtigsten
aufstrebenden
Schwellenländern und
lancierte die
Erarbeitung einer
ganzheitlichen
Entwicklungsstrategie.
Im Berichtsjahr
wurden zudem die
OECD-Leitsätze für
multinationale
Unternehmen
aktualisiert.
Die bilateralen Handelsbeziehungen der Schweiz mit der EU blieben trotz der Schulden- und Währungskrise im Vergleich zum Vorjahr beinahe konstant. Ein wichtiger Grund dafür ist das gute Funktionieren der bestehenden Abkommen (u. a. Freihandelsabkommen von 1972, Bilaterale I und II). Einige laufende Kooperationsdossiers (Emissionshandel, Zusammenarbeit der Wettbewerbsbehörden und der europäischen Verteidigungsagentur) wurden vorangebracht. Schwierig blieben die Verhandlungen in anderen Bereichen vor allem wegen ungeklärter institutioneller Fragen. Der Bundesrat verfolgt die Beziehungen zur EU mittels eines gesamtheitlichen und koordinierten Ansatzes mit dem Ziel der nachhaltigen Sicherung des bilateralen Weges.
Bei den Freihandelsabkommen mit Ländern ausserhalb der EU sind Fortschritte zu verzeichnen: Im Berichtsjahr traten Freihandelsabkommen mit Kolumbien und Peru in Kraft und solche mit Hong Kong und Montenegro konnten unterzeichnet werden. Die Verhandlungen mit Indien und Bosnien und Herzegowina sind weit fortgeschritten. Die Schweiz hat mit China Verhandlungen aufgenommen sowie im Rahmen der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) mit der Zollunion Russland/Belarus/Kasachstan und mit Indonesien. Im 2012 soll dasselbe mit den zentralamerikanischen Staaten und mit Vietnam geschehen. Zunehmende Wichtigkeit erhält die Vertiefung der bestehenden Abkommen, beispielsweise im Bereich der Dienstleistungen und durch die Anpassung der Landwirtschaftsbestimmungen an neuere Praktiken.
Binnenmarktpolitik
der Schweiz
In den letzten
Jahren ist der
Zugang zu
ausländischen
Märkten schwieriger
geworden, da in
vielen Ländern die
Tendenz zur
Abschottung zunimmt.
Zudem schwinden die
Möglichkeiten der
Schweiz, auf
internationale
wirtschaftspolitische
Entscheide Einfluss
zu nehmen. Die
Wettbewerbsfähigkeit
der Schweizer
Wirtschaft muss
deshalb auch durch
innere Reformen und
autonome
Liberalisierungsmassnahmen
erhalten und
verbessert werden.
Massnahmen
beispielsweise im
Bereich der
Wachstums-,
Wettbewerbs-,
Landwirtschafts- und
Bildungspolitik
sollen zu
Kostensenkungen und
Produktivitätssteigerungen
im Inland beitragen
und sind zudem
Voraussetzung für
eine weitere
Verbesserung des
Zugangs zu
ausländischen
Märkten.
Beitrag zur
wirtschaftlichen
Entwicklung von
Partnerländern
Im Weiteren strebt
der Bundesrat an,
die
Entwicklungsländer
besser in die
Weltwirtschaft
einzubeziehen und
ihr nachhaltiges
Wirtschaftswachstum
zu fördern. Ziel ist
es, zur dauerhaften
Verminderung von
Armut und
Ungleichheiten und
zur effizienten
Ressourcennutzung in
den Partnerländern
beizutragen. Dies
geschieht durch die
Förderung des
Handels und des
Privatsektors, die
Stärkung der
Wirtschafts- und
Finanzpolitik, den
Ausbau städtischer
Infrastruktur und
Versorgung sowie
durch Massnahmen zur
Schonung von Klima
und Umwelt und zur
Ernährungssicherheit.
Im Berichtsjahr hat das Parlament im Bereich wirtschaftliche Zusammenarbeit drei Botschaften gutgeheissen. Sie betreffen die Aufstockung und Verlängerung des Rahmenkredits für die Zusammenarbeit mit den Staaten Osteuropas und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, die Kapitalerhöhung von multilateralen Entwicklungsbanken und die Erhöhung der Mittel zur Finanzierung der öffentlichen Entwicklungshilfe auf 0,5 Prozent des Bruttonationaleinkommens bis 2015. Im laufenden Jahr wird das Parlament über die Botschaft 2013-2016 beraten, welche eine neue Strategie für die internationale Zusammenarbeit enthält. Gleichzeitig fasst die Botschaft erstmals alle Rahmenkredite für die Entwicklungszusammenarbeit und die Transitionshilfe (einschliesslich der humanitären Hilfe) zusammen.
Das Schwerpunktkapitel und die Gesamtübersicht des Berichts werden im Internet auch auf Englisch publiziert.